LITERATURSPRACHE
- WERBESPRACHE
"Pack den Tiger in den Tank" (ESSO). Eingängige Werbeslogans wie dieser werden heute vielfach in den Rang Geflügelter Worte erhoben. Die privilegierten Hoflieferanten für Geflügelte Worte waren aber bis vor noch nicht allzu langer Zeit allein unsere Dichter und Denker. Hat sich also die Poesie, deren vermeintlicher Tod heute so gerne beklagt wird, ganz einfach in der Werbung ein neues Betätigungsfeld geschaffen? Was unterscheidet z.B. Emery T. Smith's Tigerslogan von Jean Pauls poetischem Satz "Der schwarze Tiger des grausamsten Schmerzes hing an seine Brust geklammert" ("Titan")?
Man müsste Beides in Frage stellen: Kann Werbung poetisch sein? Und: Kann Poesie Werbung sein? Diese nur scheinbar simple Doppelfrage wollen wir im Seminar zu beantworten versuchen. Dazu vergleichen wir Formen und Funktionen von Werbetexten und literarischen Texten und nehmen Beispiele beider Textgattungen mit stilanalytischen Mitteln genauer unter die Lupe. Die Methode der Stilanalyse, in die dieses Proseminar einführen soll, kann uns hier sicherlich nur erste Antworten geben. Wir können aber garantieren: Diese Methode ist "Aus Erfahrung Gut" (AEG).
Wir wollen uns in diesem Einführungsseminar aber nicht nur mit den Möglichkeiten der Stilanalyse beschäftigen, sondern gleich den "Duft der grossen weiten Welt" (Stuyvesant) schnuppern, indem wir en passant auch noch die wichtigsten Techniken des literaturwissenschaftlichen Arbeitens einüben. Zu diesen Techniken gehört das Bibliographieren ebenso wie das Sammeln und Auswerten von Fachliteratur, dazu gehört ein wenig Bibliothekskunde, dazu gehört aber auch das Know-How, wie man eine literaturwissenschaftliche Hausarbeit verfasst. All dies und noch viel mehr soll Gegenstand dieses Einführungsseminars sein. Das Motto des Seminars "Qualität ist das beste Rezept" (Dr. Oetker) wird uns dank "Vorsprung durch Technik" (AUDI) wie von selbst zum ersten Etappenziel des Germanistikstudiums führen: "Hast Du was - bist Du was!" (Werbeverbund Pfandbriefe und Kommunalobligationen).
Literatur: Harald Fricke / Rüdiger Zymner: Einübung in die Literaturwissenschaft: Parodieren geht über Studieren. 3. Aufl. Paderborn 1996 (= UTB, 1616). Eckhardt Meyer-Krentler: Arbeitstechniken Literaturwissenschaft. 6., unveränd. Aufl. München 1996 (= UTB 1582).