Sommersemester 1996
Dr. Urs Meyer


POPULÄRE UND UNPOPULÄRE DRAMEN DER GOETHEZEIT

Der Erfolg bzw. Misserfolg eines Dramas beim Publikum kann verschiedenartige Ursachen haben. Nicht immer liegen die Gründe für Ablehnung oder Begeisterung allein in der künstlerischen Form oder zeitgemäßen Konstitution der Dramentexte. Das Publikumsurteil hängt oft auch von literaturexternen Faktoren wie Zensur, Aufführungsform oder Adressatenkreis ab.

Warum stand z.B. Ifflands Rührstück "Die Jäger" (1791) in hoher Publikumsgunst, und warum konnte sich demgegenüber Goethes Tragödie "Die natürliche Tochter" (1803) auf der Bühne nicht durchsetzen? Wie ist der durchschlagende Erfolg des Mozart/Schikaneder-Stücks "Die Zauberflöte" (1791) zu erklären, zumal das Libretto "voller Unwahrscheinlichkeiten und Späße ist", wie Goethe kritisch anmerkte? Neben den drei genannten Dramen sollen weitere Dramentexte von August von Kotzebue, Heinrich Joseph Collin und Friedrich Ast zumindest auschnittweise analysiert und beurteilt werden.

Zur Beurteilung der behandelten Stücke sollen zunächst die in diesem Proseminar zu erwerbenden dramenanalytischen Fähigkeiten angewendet werden. Darüber hinaus sollen erste Erkundungen des literatur- und rezeptionsgeschichtlichen Umfeldes (z.B. der Aufführungsgeschichte) Aufschlüsse über die Bedingungen von Popularität im Drama ermöglichen. Die Übernahme eines Referates ist für die Teilnahme erforderlich.

Literatur: Harald Fricke / Rüdiger Zymner: Einübung in die Literaturwissenschaft: Parodieren geht über Studieren. 2., durchges. Aufl. 1993 (= UTB 1616); Manfred Pfister: Das Drama. Theorie und Analyse. 6. Aufl. München 1989 (= UTB 580); J.W. v. Goethe: Die natürliche Tochter (= Reclam UB 114); A. v. Kotzebue: Die deutschen Kleinstädter (= Reclam UB 90); W. A. Mozart: Die Zauberflöte (= Reclam UB 2620).