Sommersemester 1997
Dr. Urs Meyer


Methoden der Literaturwissenschaft

Dieses Proseminar soll in die 'Methodik' der Literaturwissenschaft einführen. Das Augenmerk wird dabei auf jene literaturtheoretischen Positionen gerichtet, die in den letzten Jahrzehnten die literaturwissenschaftliche Praxis nachhaltig geprägt haben.

Auch wenn der in den 70er Jahren ausgetragene 'Methodenstreit' inzwischen abgeflaut ist, lässt sich in der Praxis nach wie vor eine verwirrende Heterogenität mehr oder minder etablierter 'Schulen', 'Theorien' und 'Methoden' beobachten. Zum Teil konkurrierend stehen sich ausdifferenzierte Wege der Literaturbetrachtung wie Hermeneutik, Formalismus, Rezeptionstheorie, Psychoanalyse, Strukturalismus, Sozialgeschichte, Semiotik oder Diskursanalyse gegenüber.

Das Proseminar hat den Charakter einer praktischen Übung. Neben der gemeinsamen Lektüre und kritischen Diskussion 'klassischer' Modellanalysen (Jakobson, Sklovskij, Bergler, Derrida, Eco u.a.) soll deshalb der Nutzen 'methodischer' Literaturbetrachtung an einem konkreten literarischen Text (Friedrich Schlegel: "Lucinde") direkt erprobt werden. Zu diesem Zweck sind auch Referate vorgesehen. Erörtert werden sollen das Verhältnis zwischen methodischer Vorgabe und argumentativer Praxis, das Verhältnis zwischen Kommentar und Interpretation sowie das Verhältnis der unterschiedlichen Methoden untereinander.

Literatur: Friedrich Schlegel: Lucinde (= Reclam UB 320); Terry Eagleton: Einführung in die Literaturtheorie. Stuttgart 1988 (= Sammlung Metzler, 246); Harald Fricke / Rüdiger Zymner: Einübung in die Literaturwissenschaft: Parodieren geht über Studieren. 3., nochmals durchges. Aufl. 1996 (= UTB 1616).