Robert Musils
Erzählungen
Was heißt das, wenn LiteraturwissenschaftlerInnen behaupten, eine Geschichte sei 'gut erzählt'? Das ist - um mit Fontane / Grass zu sprechen - "ein weites Feld". Die moderne Erzähltheorie stellt uns jedoch präzise Mittel zur Verfügung, die grundlegenden Strategien des Erzählens zu beschreiben. Mit Hilfe von Beschreibungskategorien wie "Fiktionalität", "Erzählzeit vs. Erzählte Zeit", "Impliziter Leser", "stream of conciousness" oder "Auktoriale Erzählsituation" können Erzähltexte aufgeschlüsselt, d.h. in ihrer Machart und Funktionsweise analysiert werden. Solche Kategorien sollen daher in diesem Proseminar auf ihre Tauglichkeit bei der Analyse konkreter Texte überprüft werden. Im Mittelpunkt steht dabei Robert Musils Erzählung "Die Amsel". Nach Wunsch oder Bedarf können aber auch andere Beispieltexte herangezogen werden.
Das Proseminar soll Studierende im Grundstudium zum einen in die Terminologie der Erzählanalyse (Stanzel, Genette u.a.) einführen. Zum anderen soll aber auch das Interesse am eigenen Erproben der behandelten Erzählstrategien geweckt werden. Zu diesem Zweck ist das aktive Parodieren kurzer literarischer Erzähltexte ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung. Hierbei folgen wir im wesentlichen dem 4. Kapitel des Buches "Einübung in die Literaturwissenschaft" von Harald Fricke und Rüdiger Zymner. Die Bereitschaft zum selbständigen Verfassen von Erzählparodien ist Bedingung für die Teilnahme.
Literatur: Jochen Vogt: Aspekte erzählender Prosa. Eine Einführung in Erzähltechnik und Romantheorie. 7., neubearb. u. erw. Aufl. Opladen 1990 (= VW-Studium, Bd. 145); Harald Fricke u. Rüdiger Zymner: Einübung in dei Literaturwissenschaft: Parodieren geht über Studieren. 2., durchges. Aufl. Paderborn 1993 (= UTB 1616).