Sommersemester 2005
Dr. Urs Meyer


DIE BAROCKTRAGÖDIE BEI GRYPHIUS UND LOHENSTEIN


Die frühneuzeitliche Epoche des Barock ist nicht in erster Linie als literaturgeschichtliche Epoche zu verstehen. Dennoch lassen sich auch manche Merkmale einer epochenspezifischen Ästhetik des Dramas herausarbeiten. Zu diesen Merkmalen gehören etwa die Vorstellung vom 'Leben als Schauspiel' (theatrum mundi), der Vanitas-Gedanke oder die Märtyrer-Motivik, der mediale Einfluss der Historienmalerei (Historisches Drama) und der Commedia dell'arte (Stegreifspiel) oder die Schreibweise des Manierismus, um nur einige zu nennen. Deren Relevanz für die Interpretation von barocken SChriftwerken wolle wir zunächst gemeinsam anhand zweier exemplarischer Dramen von Andreas Gryphius ("Cleopatra", Erstfassung 1661) überprüfen, um dann vor diesem Hintergrund - abhängig von der Zeitplanung - auch noch einige weitere Textausschnitte zu lesen.

Das Proseminar bietet darüber hinaus eine allgemeine Einführung in die Analyse von Dramen. Detailliert behandelt werden Techniken des Dramas wie die Exposition, die Drei Einheiten, die Einteilung in Akte und Szenen, die möglichen Rede-, Monolog- und Dialogformen, die Formen der Figurencharakterisierung oder die dramatische Gestaltung und Lösung von Konflikten ('offene' bzw. 'geschlossene' Bauformen des Dramas).

Zur Anschaffung empfohlene Literatur : Harald Fricke / Rüdiger Zymner: Einübung in die Literaturwissenschaft: Parodieren geht über Studieren. 4. Aufl. Paderborn 2000 (= UTB 1616) – Manfred Pfister: Das Drama. Theorie und Analyse. 11. Aufl. München 2001 (= UTB 580) – Daniel C. v. Lohenstein: Cleopatra (Reclam UB, 8950) – Andreas Gryphius: Catharina von Georgien (Reclam UB, 9751).