Morgenlied.

(Für die Mutter des Dichters geschrieben.)

 

 

Gott, unter Deiner Vaterhut

Hab' ich die Nacht so sanft geruht,

Daß ich erquickt nun in die Höh'

Der Morgensonn' entgegenseh'.

 

Wohin ich blicke, redest Du

Mit Wohlthat mir und Güte zu;

Mein erster Hauch sei Lobgesang,

Mein letzter Atemzug sei Dank.

 

Du gießest Freude wie ein Meer

Um alle Deine Kinder her;

Und nur allein der Thor vergißt,

Daß er ein Mensch im Menschen ist.

 

Gieb, daß ich diesen ganzen Tag

Mich Deiner Güte freuen mag;

Wend' Unglück ab nach Deiner Huld,

Und wenn es kommt, gieb mir Geduld.

 

Nur Deine Hand theilt Segen aus,

Gieb Segen in mein kleines Haus;

Lass' gern mich nützen Jedermann

Und willig helfen, wo ich kann.

 

Der Erde köstlichster Gewinn

Ist frohes Herz und reiner Sinn;

Und diesen, Vater, schenke mir,

So wall' ich ruhig hin zu Dir.

 

Du hast mir wieder neue Kraft

Zu meinem Tagewerk geschafft;

Verjüngt sind wieder Fuß und Hand,

Zu ihrer Arbeit leicht gespannt.

 

Wenn einst nach meines Tages Nacht

Zu Deinem Licht mein Aug' erwacht,

Dann sing' ich, himmlischer erfreut,

In jenes Lebens Seligkeit.

 

 

 

 

 

PPW, V. 5, S. 71f.