Wider die Ordonnanz.
Bei einer ziemlich gefährlichen Operation.
Nun darf ich nicht lesen, nun darf ich nicht schreiben
Und muß mir mit Grillen die Tage vertreiben;
Da sitz' ich denn hier, ich erbärmlicher Tropf,
Mit brausendem, übel zerrüttetem Kopf.
Ich hab' in der neuen Welt und in der alten
Zu Wasser und zu Lande manch Stürmchen gehalten,
Und manche Kartätsche flog glücklich vorbei;
Nun brach ich fast selbst mir den Schädel entzwei.
Herr Eckold, der Meister, schnitt rüstig und blickte,
Was unter und über dem Schlafe mich drückte,
Und sondete klüglich bis nah an das Ohr
Und drehte das Knochenfragmentchen hervor.
Das dröhnte, das wühlte, das brannte von innen,
Als wollte das Hirn in dem Kasten zerrinnen,
Als bräche der Knöchler von oben herein:
So trennt sich mit Wuth nur ein Zöllchen Gebein.
Hier lungr' ich indessen, mit Blindheit geschlagen,
Bei schuftigem Schädel und herrlichem Magen,
Den Kopf in der Binde, und träume mit Ruh'
Von Hirngicht und Knochenfraß etwas dazu.
Der Schmerz ist ein Uebel von Upsal bis Goa,
Trotz aller Behauptung der Herrn aus der Stoa;
Doch darum hat man mit der Weisheit gedingt,
Damit sie den Schmerz und das Uebel bezwingt.
Der Mann nimmt die Schickungen, wie sie ihm kamen;
Und wer dann nicht Kraft hat, verdient nicht den Namen.
Was wäre denn unsere Philosophie?
Hilft sie nicht, wenn's Noth ist, so braucht man sie nie.
Ich hätte ja schändlich die Jahre versplittert,
Wär' ich jetzt ein Knabe, der weinerlich zittert.
Wem Tod und Gefahren noch fürchterlich sind,
Der bleibt für die Wahrheit wol ewig ein Kind.
Schon wird es, dank sei es der Zang' und dem Messer,
schon wird es ums Auge mir leichter und besser.
Der Unfug hat Luft, und die Splitterchen drehn
Sich sanft, um ganz sanft ihre Wege zu gehn.
Es kommen die Freunde mit traulichem Wesen,
den Zustand bei jedem Verbande zu lesen.
Das thut denn doch gütlich: so nimmt man den Schnitt,
Den Schmerz, die Verknorplung, die Narbe noch mit.
PPW, Bd. V, S. 147-148
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PPW Bd. V, S. 184.