Johann Gottfried Seume (1763-1810)

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"Unbestechlicher Blick und revolutionäres Bewußtsein haben von jeher vor dem Forum der deutschen Literaturgeschichte einer Entschuldigung bedurft: der Jugend oder des Genius. Geister, die keins von beiden aufzuweisen hatten - männliche und im strengen Sinne prosaische, wie Forster oder wie Seume es waren - haben es nie zu mehr als einem schemenhaften Dasein in der Vorhölle allgemeiner Bildung gebracht."

Walter Benjamin: Deutsche Menschen



"Ein Buch wie ein dunkler Strom, der nicht die Dinge, sondern ewig sich selbst widerspiegelt. Man muß recht viel Interesse an dem Verfasser nehmen, wenn sein Buch etwas Interesse gewähren soll. Aber, wer nähme denn auch an Seume, diesem Eisen-Abguß beharrlichen Männer-Willens, kein Interesse."

Friedrich Hebbel über Seumes "Spaziergang nach Syrakus"



"Er hat unter den höchsten Gipfeln seiner großen Epoche gelebt und über ihnen. Er war hinter dieser Epoche um Jahre zurück und ihr um Jahre voraus. Er war das Komplement, er war das Korrektiv."

Werner Kraft: Einleitung zu seiner Werkausgabe Seumes



"Dieser Zynismus, der seine freimütige Geste allen feierlichen Wichtigkeiten gegenüber bewahrt, ist das Salz, mit dem er seinen Spaziergang für die Leser würzt, damit das Büchlein nicht nur 'Milchspeise für Kinder' bleibt. In vielen Variationen leuchtet das Feuerwerk seiner Ironie auf: von der Laune eines Wortspiels bis zum Witz geistreicher Anspielung; von spöttischer Beurteilung bis zum ätzenden Sarkasmus; vom Froh- bis zum Frechsinn; von der List des Schalks bis zum Zorn des Ketzers."

Hermann Kasack: Seume, der Wanderer



"Die unverhohlene Aussprache des Ichs, die Schroffheit, die mangelnde Politur und Ausfeilung, der Verzicht auf den künstlerischen Habitus, der dezidiert antipoetische Affekt sind Seume Programm."

Bernhard Budde: Von der Schreibart des Moralisten



"Seume bedient sich im 'Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802' und in 'Mein Sommer 1805', dem Bericht von seiner Reise ins Baltikum, nach Russland, Finnland, Schweden und Dänemark, der Form des Reiseberichts, der aus angeblichen Tagebucheintragungen zusammengesetzt ist, subvertiert dieses Genre aber ganz entscheidend, indem er unauffällig - weil gekoppelt mit bzw. versteckt hinter bis zur Schrulligkeit persönlichen Bemerkungen - so viele und zum Teil so heftig vorgetragene und kommentierte politische, vor allem Feudalismus-kritische Beobachtungen einschiebt, dass schon ein gehöriges Mass an Verdrängungskunst dazugehört (welches die deutsche Leserschaft des 19. Jahrhunderts natürlich durchaus aufbrachte), den 'Spaziergang nach Syrakus' nur als das sonderlingshaft-liebenswürdige Reisejournal eines echten deutschen 'Charakters' zu verstehen und nicht zu sehen, dass etwa Seumes Begriff der 'Humanität' keineswegs vage idealistisch war, sondern deutlich politische Implikate hatte."

Jörg Drews: Johann Gottfried Seume. In: Deutsche Dichter Bd. 4. Stuttgart: Reclam 1989.



"SEUME und die Ideen der Französischen Revolution, das ist die Geschichte eines eigenartigen, durch Intensität und Nachzeitigkeit einzigartigen Nachhalls. Um 1801, zu einem Zeitpunkt somit, als das Gros der europäischen Intellektuellen sich bereits von der Revolution ab-, und, wie Seume selbst bitter-ironisch kommentierte, der politischen Mystik wieder zugewandt hatte, entdeckte er die Revolution für sich. Er entdeckte sie zum ersten allein, zum zweiten zu Fuss, zum dritten spät und zum vierten dafür um so gründlicher. Alles vier ist für ihn kennzeichnend."

Volker Reinhardt: Seume und die späte Entdeckung der Revolution. In: Historische Zeitschrift 252 (1991), H. 2, S. 319.



"Er war ein politischer Publizist und Historiker der Zeitgeschichte von hohem Rang."

Anneliese u. Karl-Heinz Klingenberg: Einleitung zu 'Seumes Werke in zwei Bänden'. Berlin u. Weimar 1983, S. 30.



"Die Position Seumes in Deutschland ist doppelt prekär. Er sieht sich an zwei Fronten zugleich; steht wider den Bonapartismus derer, die, wie mit den alten Despoten, Pakt mit dem neuen halten, - und verschmäht die Partei der Antibonapartisten, die deutschtümelnd zum Kampf um jene Befreiung rüsten, die nur der Etablierung des alten feudalen Wesens in Deutschland dienen wird und deren trüber Begriff aus dem unterschiedlos zusammengerührten Hass auf das Fremde, das Welsche, die Tyrannis wie die Emanzipation davon sich speist. Seume hat beides durchschaut."

Hermann Schweppenhäuser: Citoyen in Deutschland. Zu Seumes Apokryphen.



"Schon der 'Spaziergang nach Syrakus' war durch die eindringliche Schilderung der staatlichen Missstände Italiens, durch zahllose Anspielungen wie durch grössere Exkurse, durch die Seitenblicke und -hiebe auf die vaterländischen Zustände eine p o l i t i s c h e Schrift und mutvoll wandte er sich in der Vorrede dazu mit seiner Forderung nach Freiheit und Gerechtigkeit unmittelbar an die Fürsten:' Sobald die Könige den Mut haben werden, sich zur allgemeinen Gerechtigkeit zu erheben, werden sie ihre eigene Sicherheit gründen und das Glück ihrer Völker durch Freiheit notwendig machen.'"

August Sauer: Johann Gottfried Seume. 1903.




Christoph Martin Wieland über Seumes Drama "Miltiades


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Stand: 1. April 2006