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Stimmen und Dokumente
"Unbestechlicher
Blick und revolutionäres Bewußtsein haben von jeher vor dem Forum der
deutschen Literaturgeschichte einer Entschuldigung bedurft: der Jugend oder des
Genius. Geister, die keins von beiden aufzuweisen hatten - männliche und im
strengen Sinne prosaische, wie Forster oder wie Seume es waren - haben es nie zu
mehr als einem schemenhaften Dasein in der Vorhölle allgemeiner Bildung
gebracht."
Walter Benjamin: Deutsche Menschen
"Ein Buch wie ein
dunkler Strom, der nicht die Dinge, sondern ewig sich selbst widerspiegelt. Man
muß recht viel Interesse an dem Verfasser nehmen, wenn sein Buch etwas
Interesse gewähren soll. Aber, wer nähme denn auch an Seume, diesem Eisen-Abguß
beharrlichen Männer-Willens, kein Interesse."
Friedrich Hebbel über
Seumes "Spaziergang nach Syrakus"
"Er hat unter den höchsten
Gipfeln seiner großen Epoche gelebt und über ihnen. Er war hinter dieser
Epoche um Jahre zurück und ihr um Jahre voraus. Er war das Komplement, er war
das Korrektiv."
Werner Kraft: Einleitung zu
seiner Werkausgabe Seumes
"Dieser Zynismus,
der seine freimütige Geste allen feierlichen Wichtigkeiten gegenüber bewahrt,
ist das Salz, mit dem er seinen Spaziergang für die Leser würzt, damit das Büchlein
nicht nur 'Milchspeise für Kinder' bleibt. In vielen Variationen leuchtet das
Feuerwerk seiner Ironie auf: von der Laune eines Wortspiels bis zum Witz
geistreicher Anspielung; von spöttischer Beurteilung bis zum ätzenden
Sarkasmus; vom Froh- bis zum Frechsinn; von der List des Schalks bis zum Zorn
des Ketzers."
Hermann Kasack: Seume, der
Wanderer
"Die unverhohlene
Aussprache des Ichs, die Schroffheit, die mangelnde Politur und Ausfeilung, der
Verzicht auf den künstlerischen Habitus, der dezidiert antipoetische Affekt
sind Seume Programm."
Bernhard Budde: Von der
Schreibart des Moralisten
"Seume bedient sich
im 'Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802' und in 'Mein Sommer 1805', dem
Bericht von seiner Reise ins Baltikum, nach Russland, Finnland, Schweden und Dänemark,
der Form des Reiseberichts, der aus angeblichen Tagebucheintragungen
zusammengesetzt ist, subvertiert dieses Genre aber ganz entscheidend, indem er
unauffällig - weil gekoppelt mit bzw. versteckt hinter bis zur Schrulligkeit
persönlichen Bemerkungen - so viele und zum Teil so heftig vorgetragene und
kommentierte politische, vor allem Feudalismus-kritische Beobachtungen
einschiebt, dass schon ein gehöriges Mass an Verdrängungskunst dazugehört
(welches die deutsche Leserschaft des 19. Jahrhunderts natürlich durchaus
aufbrachte), den 'Spaziergang nach Syrakus' nur als das sonderlingshaft-liebenswürdige
Reisejournal eines echten deutschen 'Charakters' zu verstehen und nicht zu
sehen, dass etwa Seumes Begriff der 'Humanität' keineswegs vage idealistisch
war, sondern deutlich politische Implikate hatte."
Jörg Drews: Johann
Gottfried Seume. In: Deutsche Dichter Bd. 4. Stuttgart: Reclam 1989.
"SEUME und die
Ideen der Französischen Revolution, das ist die Geschichte eines eigenartigen,
durch Intensität und Nachzeitigkeit einzigartigen Nachhalls. Um 1801, zu einem
Zeitpunkt somit, als das Gros der europäischen Intellektuellen sich bereits von
der Revolution ab-, und, wie Seume selbst bitter-ironisch kommentierte, der
politischen Mystik wieder zugewandt hatte, entdeckte er die Revolution für
sich. Er entdeckte sie zum ersten allein, zum zweiten zu Fuss, zum dritten spät
und zum vierten dafür um so gründlicher. Alles vier ist für ihn
kennzeichnend."
Volker Reinhardt: Seume und
die späte Entdeckung der Revolution. In: Historische Zeitschrift 252 (1991), H.
2, S. 319.
"Er war ein
politischer Publizist und Historiker der Zeitgeschichte von hohem Rang."
Anneliese u. Karl-Heinz
Klingenberg: Einleitung zu 'Seumes Werke in zwei Bänden'. Berlin u. Weimar
1983, S. 30.
"Die Position
Seumes in Deutschland ist doppelt prekär. Er sieht sich an zwei Fronten
zugleich; steht wider den Bonapartismus derer, die, wie mit den alten Despoten,
Pakt mit dem neuen halten, - und verschmäht die Partei der Antibonapartisten,
die deutschtümelnd zum Kampf um jene Befreiung rüsten, die nur der Etablierung
des alten feudalen Wesens in Deutschland dienen wird und deren trüber Begriff
aus dem unterschiedlos zusammengerührten Hass auf das Fremde, das Welsche, die
Tyrannis wie die Emanzipation davon sich speist. Seume hat beides
durchschaut."
Hermann Schweppenhäuser: Citoyen in Deutschland. Zu Seumes Apokryphen.
"Schon der
'Spaziergang nach Syrakus' war durch die eindringliche Schilderung der
staatlichen Missstände Italiens, durch zahllose Anspielungen wie durch grössere
Exkurse, durch die Seitenblicke und -hiebe auf die vaterländischen Zustände
eine p o l i t i s c h e Schrift und mutvoll wandte er sich in der Vorrede dazu
mit seiner Forderung nach Freiheit und Gerechtigkeit unmittelbar an die Fürsten:'
Sobald die Könige den Mut haben werden, sich zur allgemeinen Gerechtigkeit zu
erheben, werden sie ihre eigene Sicherheit gründen und das Glück ihrer Völker
durch Freiheit notwendig machen.'"
August Sauer: Johann
Gottfried Seume. 1903.
Christoph Martin Wieland über Seumes Drama "Miltiades
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